Ich erinnere mich noch genau an den Moment. Ich hatte den Teig nach dem ersten Stretch & Fold wieder in die Schüssel gelegt — und irgendetwas hatte sich verändert. Aus einem klebrigen, formlosen Haufen war plötzlich etwas Glattes, fast Seidiges geworden. Ich hab die Schüssel einfach nur angestarrt. Das war der Moment wo ich verstanden habe: Diese Techniken funktionieren wirklich. Und sie dauern keine Stunde — sondern eine Minute.
Was hier eigentlich passiert — die Kurzversion
Wenn wir Mehl und Wasser mischen, verbinden sich zwei Proteine — Gliadin und Glutenin — zu einem Netzwerk: dem Glutengerüst. In einer Bäckerei wird dieses Netzwerk durch Knetmaschinen aufgebaut. Für uns übernimmt das die Zeit, unterstützt durch gezielte Faltbewegungen.
Das bedeutet: Wir müssen nichts kneten. Wir geben dem Teig nur kurze Impulse, die das Gerüst ordnen und stärken. Den Rest erledigt die Biologie — während du arbeitest.
Die drei Techniken im Überblick
Der Teig ist zu diesem Zeitpunkt noch feucht und wenig strukturiert. Stretch & Fold zieht die langen Glutenstränge in die richtige Richtung und gibt dem Teig erste Spannung. Du kannst dabei etwas mehr Kraft einsetzen als später.
Perfekt für den Moment zwischen zwei Mails — kein Rüsten, kein Aufräumen.
So geht’s
- Hände nass machen
- Eine Seite des Teigs greifen, hochziehen bis du Widerstand spürst
- Zur Mitte falten
- Schüssel 90° drehen — wiederholen
- 4 Faltbewegungen = einmal rundherum
Die Fermentation hat begonnen — der Teig ist luftiger und empfindlicher. Coil Folds heben den Teig sanft an statt ihn zu ziehen, damit die aufgebauten Gasblasen nicht zerstört werden. Die Oberflächenspannung steigt, die Struktur wird stärker.
Ideal für kurze Pausen zwischen Fokusblöcken — 1 bis 2 Runden reichen.
So geht’s
- Beide Hände mittig unter den Teig schieben
- Teig sanft anheben — Enden fallen von selbst nach unten
- Schüssel 90° drehen
- 4x wiederholen bis einmal rundherum
Viele Backbücher behandeln Lamination und Shaping als separate Schritte. Für den Alltag kombinieren wir sie zu einem effizienten Ablauf. Die Lamination dehnt den Teig flächig aus — du siehst sofort wie stark dein Glutengerüst wirklich ist, und kannst jetzt Zutaten einarbeiten (Röstzwiebeln, Oliven, Saaten) ohne die Gasstruktur zu zerstören.
So geht’s
- Arbeitsfläche leicht bemehlen, Teig vorsichtig zum Rechteck dehnen
- Optional: Add-ins gleichmässig verteilen
- Erstes Drittel zur Mitte, gegenüberliegendes Drittel darüber
- Von einem Ende her eng aufrollen
- Mit Teigschaber kreisend über die Fläche ziehen — Teighaut straff
- Ab ins Gärkörbchen, dann in den Kühlschrank
Die häufigsten Fehler — und warum sie halb so schlimm sind
Teig klebt
Hände immer leicht nass halten — nicht trocken, nicht mit Mehl bestäubt.
Teig reisst
Zu viel Kraft. Kurz warten — der Teig entspannt sich von selbst.
Runde vergessen
Kein Problem. Die lange Bulk-Fermentation gibt dem Teig genug Zeit zur Erholung.
Das nimmst du mit
Was kommt als nächstes? Du weisst jetzt wie der Teig Struktur aufbaut — aber was passiert wenn du den Zeitpunkt verpasst? Im nächsten Post: Unter-, Übergare und warum das alles halb so dramatisch ist.

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